Zitiert von Manduin:
Man sollte hierbei eher von einem philosophischen Streben, anstatt von einer göttlichen Verehrung sprechen sollte. Sicherlich kann man gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem azerothianischen Lichtkult und den irdischen Religionen sehen (die Bezeichnungen: Kirche, Kloster, Kathedrale, Mönch, Bischof, Priester sind sehr deutlich aus dem christlichen Glauben entlehnt). Aber eine richtige Religion mit allen dazugehörigen Facetten, stellt es nun mal nicht dar.
Vielleicht sei mir hier der Versuch eines Vergleiches zwischen Lichtkult in WoW und der Macht in Star Wars erlaubt. Hier wie dort wird eine Art übernatürliche Erscheinung beschrieben, welche zwar Botschafter hat, wie die Naaru oder die Midi-Chlorianer, allerdings nicht fassbar ist bzw. keine Ausdruck in einem einzigen, fokussiertem Wesen findet. Die Macht und das Licht haben beide Anhänger, welche besondere Kraft und Fähigkeiten erhalten. Unterschiedlich ist an dieser Stelle nur, dass die Macht sowohl gute als auch böse Wege vorzeigen kann (Sith, Jedi), wohingegen das Licht nur nach einem besseren Universum streben lässt (wenngleich es auch eine dunkle Seite des Priesterseins gibt).
Hinsichtlich der Wirkung auf Andere ähneln sich aber die beiden Konzepte wieder: Außenstehende reagieren voller Verwunderung und Demut, vielleicht sogar etwas Angst gegenüber den Gelehrten; können diese doch wahre Wunder vollbringen, indem sie schwere Verwundungen heilen können, über die Fähigkeit der Levitation verfügen oder Gegenstände allein durch ihre Gedanken bewegen können. Eine alles bestimmende Rolle in den Leben der meisten Leute, egal ob in Sturmwind oder bei Star Wars, spielen diese Mächte meiner Meinung nach allerdings nicht.
Natürlich tragen die Anhänger des Lichtes ihre Lehre zu den einfachen Leuten, sie heilen die Wunden, versorgen die Armen und stellten als Paladine die wichtigste (wenn auch scheiternde) Front gegenüber der Geißel dar. Menschen sind aufgrund ihres tiefen inneren Feuers und ihres Emotionsreichtums und der scheinbar grenzenlosen Loyalität sehr anfällig für den Lichtglauben. Zwerge dagegen, stoisch, stolz und abenterlustig, sind sicherlich nicht die idealen Anhänger für das Licht. Ein Zwerg verlässt sich lieber noch auf seine eigene Axt und seinem Erfindungsreichtum, um eine Aufgabe zu lösen. Sie verdanken ihren Lichtglauben auch eher den Bündnissen mit Menschen und Quel'dorei.
Dass Zwerge dem Licht durchaus dienen können, stellt für mich kein Wiederspruch dar. Zwerge ziehen gerne in die Schlacht, aber sie sind nicht kriegerisch. Sie hätten ihre Zeit lieber mit dem endlosen Graben nach Schätzen verbracht, als sich den Massen der Horde und der Geißel gegenüber zu stellen. Allerdings hätte Lethargie den Untergang bedeutet, also taten die Zwerge, was zu tun war. Ein Zwerg ist aber keine unmenschlich grausame Mördermaschine, ich würde sogar behaupten, ein Zwerg tötet nur ungern.
In letzter Zeit suchen die Zwerge ja bekanntlich nach ihren Ahnen, woraufhin ein gigantischer Exodus die Hallen Ironforges gehörig geleert hat. Letztendlich sehen Zwerge in den Titanen aber keine oder noch keine Götter
Es ist grundsätzlich unproblematisch einen Zwergen ohne Lichtglauben darzustellen. Meinetwegen kann er die Lichtgläubigen sogar als Spinner bezeichnen. Wenn sein Arsch aber zum x-ten mal von einem Paladin mithilfe göttlicher Heilzauber gerettet wurde und wenn er bereitwillig die Verstärkungssegen der Priester in der Schlacht akzeptiert, dann sehe ich hinsichtlich dieser Einstellung gewisse Probleme. Aber dies zu beurteilen bleibt jedem selbst überlassen.
Nun noch Anmerkungen zu den Klassen und dem Licht:
Paladine entstammen dem Orden der Silbernen Hand, welcher unmittelbar nach dem ersten großen Krieg (Zerstörung Sturmwinds durch die Horde) ins leben gerufen wurde. Auch wenn innerhalb des Ordens mal wieder die Menschen die treibende Kraft waren, so gab es von Anfang an auch Zwerge und sogar Quel'dorei in ihren Reihen. Paladine sind streng lichtgläubig und konnten deswegen auch nicht der Geißel anheimfallen. Sie litten mehr unter dem Verrat von Arthas und der Aufspaltung in Untergruppen wie dem Scarlet Crusade und der Argent Dawn. Einen ungläubigen Paladin zu spielen ist beinah unmöglich, da er seine gesamte Macht dem Licht verdankt. Einzig Sin’dorei, deren Blutritter ihre Kraft von einem gefangenen Naaru beziehen, wären dazu imstande.
Priester der Menschen und Zwerge dagegen sind, wenngleich viel enger an die Kirche des heiligen Lichts gebunden, nicht so streng abhängig vom Licht. Ihnen bietet sich ja auch der Weg des Schattens, welcher sich aus grundlegend anderen Quellen speist. Vor allem Verlasse, welche unfähig sind, das Licht zu nutzen, beziehen ihre Macht aus den Schatten. Aber auch unter Allianzlern ist der Schattenkult verbreitet. Beispielsweise ist auch mein Manduin ein Schattenkundiger. Rituale, die ein Anbeten des Lichtes benötigen, kann er zwar noch durchführen, allerdings nur unter äußerster Anstrengung. Grund hierfür ist die Verstoßung Manduins aus der Kirche des Lichtes und das damit verbundene Abgleiten in die dunklen Seiten des Priestertums. Eben weil Zwerge keinen Hokuspokus mögen, verzichtet er bisher auf einen Einsatz seiner dunklen Fähigkeiten. Selbst bei der Orkjagd letzte Woche nutze er keine mit dem Schatten assoziierten Zauber. Licht ist den meisten Zwergen immer noch lieber als Schatten.